Einem sterbenden Planeten die Wahrheit erzählen





August 2020



Es ist sehr schwierig, diesen Artikel zu schreiben. Das Einzige, das noch schlimmer wäre, wäre allerdings ihn überhaupt nicht zu schreiben.


ALLES WIRD SICH ÄNDERN!


Covid-19 hat unser Leben in einer Art dominiert, wie es nie etwas vorher getan hat – und mit offensichtlich gutem Grund. Menschen leiden, Menschen sterben, Menschen verlieren ihr Zuhause und ihre Lebensgrundlage. Es ist von solch enormer Tragweite, dass es allumfassend erscheint. So verheerend Covid-19 auch ist, so scheint es, als wäre es nur der Vorbote von etwas noch viel Katastrophalerem. Etwas, das wahrscheinlich Tod und Zerstörung auf einer Skala bringen wird, die noch nie zuvor beobachtet werden konnte seitdem die Menschheit ihren Fuß auf die Erde gesetzt hat.


In den letzten Monaten sind zahlreiche Berichte aus unterschiedlichen Richtungen und Organisationen erschienen, die alle dieselbe Schlussfolgerung ziehen – wir zerstören diejenigen Systeme, die das Leben auf der Erde erst möglichen machen – und wir zerstören sie in einer solchen Geschwindigkeit, die es für unseren Planeten extrem schwierig bis unmöglich macht, sich wieder zu erholen. In diesem Beitrag möchte ich teilen, was ich gelernt habe und gerade lerne. Doch kein Zweifel – der Grund für diesen Beitrag liegt nicht darin, entmutigend zu klingen, sondern vielmehr, sich dazu zu befähigen, fundiertere Entscheidungen treffen zu können. Ich benutze oft diese Analogie mit meinen Praktikanten, „wenn du einen Fluss entlang paddelst und in einer Meile ein 15 Meter hoher Wasserfall liegt, würdest du lieber davon erfahren oder einfach weiter in die Gefahr paddeln wollen?“. Solltest du eine der Personen sein, die wissen will, worauf sie zu paddelt, dann lies weiter.





Noch 12 Jahre übrig – oder sind es 5?


Der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen („Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC)“) ist die Organisation, welche die Klimavereinbarung zwischen zahlreichen Ländern, genannt Übereinkommen von Paris, schmiedete (Präsident Donald Trump zog die Mitgliedschaft der USA kurzerhand aus dem Übereinkommen zurück). Es sei angemerkt, dass 174 Länder plus die Europäische Union dieser Vereinbarung beigetreten sind, mit dem Ziel, die globale Klimaerwärmung auf maximal 1,5 Grad Celsius zu beschränken. Eine gute Sache? In der Theorie, ja. Das Problem? Die Wissenschaft war nicht da. In dem Versuch, die Welt mit an Bord zu holen, schwächte das IPCC die Situation ab. Genauer gesagt ließen sie einige der Informationen außen vor, beispielsweise die „Feedbackschleifen“. Eine „Feedbackschleife“ entsteht, wenn eine erste Situation eine zweite auslöst. Dies lässt sich leicht an Meereseis verstehen – dieses reflektiert durch seine weiße Farbe die Energie der Sonne zurück in die Atmosphäre. Wenn es schmilzt, wird es entweder durch Wasser (welches dunkel ist) oder Tundra (ebenfalls dunkel) ersetzt, welche beide viel mehr Sonnenenergie festhalten. Zusätzlich dazu enthält eine Tundra auch gefrorenes Methan, welches beim Schmelzen in die Atmosphäre gelangt (Methan ist 22-Mal stärker als CO2). Diese “Feedbackschleifen” beschleunigen den Effekt der Klimakrise über die ursprünglichen Kalkulationen des IPCC hinaus.


Im Oktober 2018 veröffentlichte das IPCC eine neue Studie – ein sehr schonungsloser und erschreckender Bericht, in dem es behauptet, wir Menschen hätten nur noch 12 Jahre Zeit zu handeln, wenn wir die globale Erwärmung unter 1,5 Grad Celsius halten wollen (https://www.ipcc.ch/2018/10/08/summary-for-policymakers-of-ipcc-special-report-on-global-warming-of-1-5c-approved-by-governments/). Wie bereits oben erwähnt, mangelt es in dem Bericht des IPCC an einigen grundlegenden wissenschaftlichen Annahmen. Ein Bericht des Harvard Professors James Anderson (2018 *), welcher diese fehlenden Annahmen des IPCC Berichts miteinschließt, kommt zu der Erkenntnis, dass wir weniger als 5 Jahre Zeit haben, um den Verlauf zu ändern. DIES BEDEUTET, DASS SICH ALLES ÄNDERN MUSS! Wir müssen auf erneuerbare Energien wechseln, wir müssen Regelwälder beschützen – was bedeutet sie nicht länger für Fleisch, Palmöl und andere Ausbeutung zu zerstören. Wir müssen zurückkehren zu einer pflanzlichen Ernährungsweise, und wir müssen Ökosysteme WIEDERHERSTELLEN. Bäume pflanzen, Plastik aus dem Ozean holen, in Harmonie mit der Natur leben. Wenn dies alles wie Einbildung klingt, soll hier angemerkt sein, dass im Juli 2020 in der Arktis zum ersten Mal seit Beginn der Aufzeichnungen über 100 Grad Fahrenheit (37,77 Grad Celsius) gemessen wurden.


1 Millionen Arten vor UNMITTELBAREM AUSSTERBEN


Am 6. Mai 2019 veröffentlichten die USA einen dreijährigen Bericht, der von 150 Wissenschaftlern aus 50 Ländern zusammengestellt wurde. Unter den verstörendsten Enthüllungen bekundet der Bericht, dass (zusätzlich zu den 200 Arten, die tagtäglich aussterben) eine Million Arten kurz vor ihrem Aussterben stehen, davon sind 500.000 bereits „wandelnde Tote“.


Die Beurteilung “präsentiert ein unheilvolles Bild”, so Robert Watson, Vorsitzender des Weltbiodiversitätsrates IPBES (“Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services”), eine wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen 132 Ländern, die den Bericht zusammenstellen. „Die Gesundheit von Ökosystemen, von denen wir und alle anderen Arten abhängen, verschlechtert sich schneller als je zuvor. Wir nagen an der Grundlage unserer Wirtschaft, Lebensgrundlage, Lebensmittelsicherheit, Gesundheit, und Lebensqualität weltweit.“


Die Aussagen des Berichts:

-Mehr als ein Drittel der Landmasse der Erde und fast 75 Prozent der Frischwasserressourcen werden für die Produktion von Nutzpflanzen oder -tieren verwendet,

-Die überwiegende Mehrzahl der Zerstörung von Ökosystemen wurde jüngst von der agrarwirtschaftlichen Expansion in den Tropen herbeigeführt, welche Heimat der größten Anzahl von Arten auf dem Planeten ist. Einhundert Millionen Hektar Regenwaldfläche gingen von 1980 bis 2000 verloren, hauptsächlich durch Viehhaltung in Lateinamerika sowie Palmölplantagen in Südostasien.

-Mehr als 40 Prozent der amphibischen Arten, fast 33 Prozent von riff-formenden Korallen, und mehr als ein Drittel aller marinen Säugetiere sind bedroht.

-Die Verbreitung von fast der Hälfte der landlebenden Säugetiere und fast einem Viertel der bedrohten Vögel wurden bereits negativ durch den Klimawandel beeinflusst.

-Mehr als 680 Arten von Wirbeltieren wurden seit dem 16. Jahrhundert durch den Menschen zu ihrem Aussterben getrieben.

-Fast 90 Prozent der Feuchtgebiete, die im Jahr 1700 noch vorhanden waren, sind bis zum Jahr 2000 verloren gegangen. Wir verlieren Feuchtgebiete dreimal schneller als Wälder.


Diese Bewertung, welche 15.000 wissenschaftliche und staatliche Quellen untersuchte und drei Jahre zur Fertigstellung dauerte, legt dar, dass ohne die Durchführung von „transformativem Wandel“ der Verlust der Biodiversität signifikante Probleme in der Entwicklung, Wirtschaft und Sicherheit sowie soziale und moralische Probleme herbeiführen wird. Doch trotz der massiven Ausmaße des Schadens, behaupten Wissenschaftler, dass es noch immer Zeit gäbe, die schlimmsten Auswirkungen dieser Naturverluste zu vermeiden.


„Es ist noch nicht zu spät, etwas zu bewirken. Jedoch nur, wenn wir jetzt auf jeder Stufe, von lokal zu global, beginnen“, so Watson. „Die Natur kann noch immer erhalten, wiederhergestellt und nachhaltig genutzt werden – dies ist gleichermaßen der Schlüssel, um die meisten anderen globalen Ziele zu erreichen“.


Was bedeutet dies alles für uns? In den Worten von Umweltschützer und Ausnahme-Schauspieler Harrison Ford: „Die Natur kann ohne uns überleben, wir jedoch nicht ohne sie.“ Bei einem Blick auf die eigene Familie, auf die Kinder, sollte man sich selbst fragen: „Wie viel bedeuten mir ihre Leben?“. Menschen haben noch NIE einer solchen unmittelbaren und alles überwältigenden Gefahr gegenübergestanden. Es besteht kein Zweifel darin, dass wir nicht einfach darauf warten können, dass uns jemand anderes rettet. Wenn wir das Leben auf dem Planeten Erden retten wollen, einschließlich jenes unserer Familien und uns selbst, müssen wir GEWAGT, AGGRESSIV und ENTSCHLOSSEN handeln! Alles muss sich ändern. Wir müssen zusammenarbeiten wie niemals zuvor, um diesen großartigen blauen Planeten zu retten. * https://www.earth.com/news/5-years-mitigate-climate-change/